Kleine Weisheiten – Kurzgeschichten erzählt von Therese Stauffer


April 2016 | Hedis Fridis und Annis Bänkli

Durch den Hoserenweg laufe ich fast täglich.
Schliesslich führt er mich zu meinem Arbeitsplatz.
Ungefähr in der Mitte des Weges (zwischen Rollistrasse
und Burrirain) steht ein Holzbänkli.
An der Lehne sind drei Namen aufgepinselt: Hedi Fridi Anni.
Erich, der Bauherr, hat mir einmal erklärt, weshalb er
hingegangen ist und mit Brettern und Nägel eine kleine
Ruhestätte für Hedi, Fridi und Anni gezimmert hat.
Er beobachtete, wie die Frauen auf dem Heimweg
doch etwas müde wurden und die Beine immer schwerer.
Sie sind ja auch nicht mehr die jüngsten, Hedi, Fridi und Anni.
Auf einem Bänkli könnten sie einen kurzen Zwischenhalt einschalten,
dachte Erich, und etwas ausruhen. Gesehen – nachgedacht – gehandelt!
Regelmässig, wenn ich am Bänkli vorbei gehe,
schwirren mir Gedanken im Kopf herum:
Gäbe es doch mehr Hedis Fridis und Annis Bänkli!
Das macht Sinn, und nicht, wenn einander Steine in den
Weg gelegt werden.
Paul Jeremias


September 2015 | Unerreichte Ziele – unerfüllte Träume

Wie ihr inzwischen sicher wisst, bin ich eine Anhängerin – schreibe bewusst nicht Fan – von interessanten Gesprächsrunden. Sie sind für mich ein Anstoss über die verschiedenen Ansichten und Meinungen der Teilnehmer nachzudenken, um dann letztendlich meine persönliche Meinung herauszufinden. Das Thema der Runde handelte diesmal um Ziele und Wünsche, die nur zum Teil in Erfüllung gehen oder gingen. Der erste Teilnehmer, ein Mann, erzählte von seinem Lebenstraum einer eigenen Firma, doch der Mut zum Risiko fehlte ihm. Heute lebt er finanziell gut gepolstert in Pension, aber sein grosser Traum werde ihn, so sagte er, bis zum Lebensende begleiten. So erzählte jeder von seinen erreichten und unerreichten Zielen, von Träumen die in Erfüllung gingen und solchen die scheiterten. Eine Frau die viele Jahre den Seniorenclub besuchte, erzählte mir immer wieder von ihrem grössten Traum. Für sie war schon als junge Frau klar, dass sie eines Tages ein grosses Motorrad besitzen möchte. Leider blieb es auch bei ihr nur ein Traum, doch ich werde das Strahlen in ihren Augen nie vergessen, wenn sie voller Begeisterung über das Motorrad – eine Honda – sprach, mit dem sie gerne durch die Welt „gedüst“ wäre. Vielleicht ist es ja so wie es der letzte Teilnehmer der Runde ruhig und eher gelassen erklärte. Viele seiner Wünsche habe er nicht erreicht und seine Träume seien nicht in Erfüllung gegangen, jedoch für ihn sei es die Sehnsucht, die seine Seele ernähre und nicht die Erfüllung.


Februar 2015 | Freude

erzählt von Th.S.

 

Wer sich heute freuen kann,
soll nicht bis morgen warten.

 

Dieser Spruch von Heinrich Pestalozzi steht in einem wunderschönen Büchlein mit dem Titel „Atempausen für den Alltag“.

Ich erhielt das Büchlein als Weihnachtsgeschenk und habe mich sehr darüber gefreut. Der Spruch hat mich zum Nachdenken gebracht. Vielen Menschen fällt es schwer, Freude zu empfinden oder Freude zu zeigen. Andere können sich nur freuen, wenn es um grosse Dinge geht: viel Geld, teure Geschenke, riesigen Erfolg usw. Dabei sind es doch oftmals gerade die kleinen Dinge des Lebens, welche uns Freude schenken können. Ich weiss, es klingt etwas abgedroschen und vielleicht auch ein wenig blauäugig.

Als nach Weihnachten endlich der erste Schnee fiel, hatte ich ein erfreuliches Erlebnis. Ich beobachtete eine Familie beim Schneemann Bauen. Kinder, Eltern und Grosseltern beteiligten sich daran. Mit grossem Eifer wurde Schnee gerollt, gestampft, aufgetürmt und modelliert. Das alles begleitet von lautem Gelächter und lustigen Sprüchen. Später wurde das Werk, das übrigens sehr gut gelungen war, voller Stolz und Freude fürs Familienalbum fotografisch festgehalten.

Darum – jeder Tag bringt uns Freude und sei sie noch so klein und bescheiden – ein aufrichtiges Dankeschön, ein nettes Lächeln, ein gutes Gespräch oder einen Schneemann bauen. All die vielen kleinen Momente können unseren Alltag mit Freude erfüllen.

Wer sich heute freuen kann,
soll nicht bis morgen warten.


September 2014 | Studien – Ein Schoggileben

erzählt von Th.S.

blog_schoggiMit Schokologie, habe ich gelesen, werde unser Leben angenehmer, süsser und man könne sogar von der Schokologie fürs Leben lernen. Sie lehre nämlich eine neue Lebensphilosophie. Wer Schokolade regelmässig esse, wisse was er wolle, handle sofort und nicht irgendwann. Sich öfters etwas Gutes gönnen heisse, freundlich sein zu sich selber. Das wirke sich dann aufs Umfeld aus, indem etwas von der Zufriedenheit, dem Optimismus und der positiven Lebenseinstellung, die der Schoggikonsument ausstrahlt, an seine Mitmenschen abgegeben werde. Aber das Allerbeste an der ganzen Geschichte sei, Schoggi mache nicht dick.

Einiges von dieser Studie, die natürlich aus Amerika kommt, mag ja stimmen, doch ich sehe das Ganze etwas anders. Bei mir geschah nämlich genau das Gegenteil. Das Schoggiessen, die kleinen Trösterchen am Abend, nach einem mehr aus ausgefüllten Arbeitstag, bekamen mir gar nicht. Ich wurde reizbar, hatte Beschwerden und mein Optimismus und meine Zufriedenheit landeten im Keller. Heute esse ich nur noch ganz selten Schoggi und mir geht’s wieder gut. Meine Energie, mein Wohl und Selbstwertgefühl ist zurückgekehrt. Ich denke, dass man gut daran tut, die vielen diversen Studien, die überall kursieren, ein wenig zu hinterfragen und nicht alles zu glauben und auszuprobieren. Jeder Mensch reagiert anders, deshalb sollten diese Studien nicht verallgemeinert werden.

Jedenfalls ist meine Energie zurückgekehrt und das nenne ich ein Schoggileben!