Kleine Weisheiten – Kurzgeschichten erzählt von Therese Stauffer


April 2016 | Hedis Fridis und Annis Bänkli

Durch den Hoserenweg laufe ich fast täglich.
Schliesslich führt er mich zu meinem Arbeitsplatz.
Ungefähr in der Mitte des Weges (zwischen Rollistrasse
und Burrirain) steht ein Holzbänkli.
An der Lehne sind drei Namen aufgepinselt: Hedi Fridi Anni.
Erich, der Bauherr, hat mir einmal erklärt, weshalb er
hingegangen ist und mit Brettern und Nägel eine kleine
Ruhestätte für Hedi, Fridi und Anni gezimmert hat.
Er beobachtete, wie die Frauen auf dem Heimweg
doch etwas müde wurden und die Beine immer schwerer.
Sie sind ja auch nicht mehr die jüngsten, Hedi, Fridi und Anni.
Auf einem Bänkli könnten sie einen kurzen Zwischenhalt einschalten,
dachte Erich, und etwas ausruhen. Gesehen – nachgedacht – gehandelt!
Regelmässig, wenn ich am Bänkli vorbei gehe,
schwirren mir Gedanken im Kopf herum:
Gäbe es doch mehr Hedis Fridis und Annis Bänkli!
Das macht Sinn, und nicht, wenn einander Steine in den
Weg gelegt werden.
Paul Jeremias


September 2015 | Unerreichte Ziele – unerfüllte Träume

Wie ihr inzwischen sicher wisst, bin ich eine Anhängerin – schreibe bewusst nicht Fan – von interessanten Gesprächsrunden. Sie sind für mich ein Anstoss über die verschiedenen Ansichten und Meinungen der Teilnehmer nachzudenken, um dann letztendlich meine persönliche Meinung herauszufinden. Das Thema der Runde handelte diesmal um Ziele und Wünsche, die nur zum Teil in Erfüllung gehen oder gingen. Der erste Teilnehmer, ein Mann, erzählte von seinem Lebenstraum einer eigenen Firma, doch der Mut zum Risiko fehlte ihm. Heute lebt er finanziell gut gepolstert in Pension, aber sein grosser Traum werde ihn, so sagte er, bis zum Lebensende begleiten. So erzählte jeder von seinen erreichten und unerreichten Zielen, von Träumen die in Erfüllung gingen und solchen die scheiterten. Eine Frau die viele Jahre den Seniorenclub besuchte, erzählte mir immer wieder von ihrem grössten Traum. Für sie war schon als junge Frau klar, dass sie eines Tages ein grosses Motorrad besitzen möchte. Leider blieb es auch bei ihr nur ein Traum, doch ich werde das Strahlen in ihren Augen nie vergessen, wenn sie voller Begeisterung über das Motorrad – eine Honda – sprach, mit dem sie gerne durch die Welt „gedüst“ wäre. Vielleicht ist es ja so wie es der letzte Teilnehmer der Runde ruhig und eher gelassen erklärte. Viele seiner Wünsche habe er nicht erreicht und seine Träume seien nicht in Erfüllung gegangen, jedoch für ihn sei es die Sehnsucht, die seine Seele ernähre und nicht die Erfüllung.


Februar 2015 | Freude

erzählt von Th.S.

 

Wer sich heute freuen kann,
soll nicht bis morgen warten.

 

Dieser Spruch von Heinrich Pestalozzi steht in einem wunderschönen Büchlein mit dem Titel „Atempausen für den Alltag“.

Ich erhielt das Büchlein als Weihnachtsgeschenk und habe mich sehr darüber gefreut. Der Spruch hat mich zum Nachdenken gebracht. Vielen Menschen fällt es schwer, Freude zu empfinden oder Freude zu zeigen. Andere können sich nur freuen, wenn es um grosse Dinge geht: viel Geld, teure Geschenke, riesigen Erfolg usw. Dabei sind es doch oftmals gerade die kleinen Dinge des Lebens, welche uns Freude schenken können. Ich weiss, es klingt etwas abgedroschen und vielleicht auch ein wenig blauäugig.

Als nach Weihnachten endlich der erste Schnee fiel, hatte ich ein erfreuliches Erlebnis. Ich beobachtete eine Familie beim Schneemann Bauen. Kinder, Eltern und Grosseltern beteiligten sich daran. Mit grossem Eifer wurde Schnee gerollt, gestampft, aufgetürmt und modelliert. Das alles begleitet von lautem Gelächter und lustigen Sprüchen. Später wurde das Werk, das übrigens sehr gut gelungen war, voller Stolz und Freude fürs Familienalbum fotografisch festgehalten.

Darum – jeder Tag bringt uns Freude und sei sie noch so klein und bescheiden – ein aufrichtiges Dankeschön, ein nettes Lächeln, ein gutes Gespräch oder einen Schneemann bauen. All die vielen kleinen Momente können unseren Alltag mit Freude erfüllen.

Wer sich heute freuen kann,
soll nicht bis morgen warten.


September 2014 | Studien – Ein Schoggileben

erzählt von Th.S.

blog_schoggiMit Schokologie, habe ich gelesen, werde unser Leben angenehmer, süsser und man könne sogar von der Schokologie fürs Leben lernen. Sie lehre nämlich eine neue Lebensphilosophie. Wer Schokolade regelmässig esse, wisse was er wolle, handle sofort und nicht irgendwann. Sich öfters etwas Gutes gönnen heisse, freundlich sein zu sich selber. Das wirke sich dann aufs Umfeld aus, indem etwas von der Zufriedenheit, dem Optimismus und der positiven Lebenseinstellung, die der Schoggikonsument ausstrahlt, an seine Mitmenschen abgegeben werde. Aber das Allerbeste an der ganzen Geschichte sei, Schoggi mache nicht dick.

Einiges von dieser Studie, die natürlich aus Amerika kommt, mag ja stimmen, doch ich sehe das Ganze etwas anders. Bei mir geschah nämlich genau das Gegenteil. Das Schoggiessen, die kleinen Trösterchen am Abend, nach einem mehr aus ausgefüllten Arbeitstag, bekamen mir gar nicht. Ich wurde reizbar, hatte Beschwerden und mein Optimismus und meine Zufriedenheit landeten im Keller. Heute esse ich nur noch ganz selten Schoggi und mir geht’s wieder gut. Meine Energie, mein Wohl und Selbstwertgefühl ist zurückgekehrt. Ich denke, dass man gut daran tut, die vielen diversen Studien, die überall kursieren, ein wenig zu hinterfragen und nicht alles zu glauben und auszuprobieren. Jeder Mensch reagiert anders, deshalb sollten diese Studien nicht verallgemeinert werden.

Jedenfalls ist meine Energie zurückgekehrt und das nenne ich ein Schoggileben!

April 2014 | Sprüche

erzählt von Th.S.

blog_feder„Eine Flaumfeder kann einen Kieselstein rundschleifen, sofern sie von der Hand der Liebe geführt wird.“ Hugo von Hoffmannsthal

Das ist einer meiner Lieblingssprüche, er begleitet mich schon seit vielen Jahren.

In einer Morgensendung von Radio SRF forderte der Moderator die Zuhörer auf, ihren Lieblingsspruch telefonisch mitzuteilen. Sie hätten dann die Möglichkeit zu erzählen, warum gerade dieser Spruch zu ihrem Favoriten wurde. Ich habe nicht angerufen. Trotzdem liess ich meine „Lieblinge“ im Kopf Revue passieren. Während ich nachdachte, kamen mir die Diskussionen, die ich oft und gerne mit meinem Vater geführt habe, in den Sinn. Es gab eine Zeit, da waren wir selten gleicher Meinung. Unsere Ansichten gingen meilenweit auseinander. Jedenfalls endeten diese Gespräche immer mit dem gleichen Spruch meines Vaters:

„los Meitschi, merk dr, so wi me sech bettet, so ligt me“.

Diese Aussage mag ziemlich abgedroschen und banal klingen. Trotzdem hat sie für mich bis heute Gültigkeit. Immer wenn ich eine wichtige Entscheidung treffen musste – oder muss – höre ich den Spruch von meinem Vater und überlege dann recht lange die Vor- und Nachteile, bevor ich mit entschliesse. Mir ist schon bewusst, dass man dieses Verhalten auch unentschlossen oder unflexibel nennen kann. Doch für mich stimmt es. Ich komme bis heute sehr gut damit zurecht.

 

Januar 2014 | Frieden

erzählt von Th.S.

blog_friedenAls ich letzten Dezember im Dorf meine Einkäufe erledigte, traf ich einen Bekannten, einen jungen Mann. Wir kamen ins Gespräch. Es wurde, wie kann es anders sein, auch übers Wetter gesprochen. Der Tag war trüb, dichter Nebel lag über dem Dorf, die Bäume und Sträucher mit Raureif – sprich Biecht – überzogen. Der junge Mann erzählte mir, wie sehr er diese Stimmung geniesse. Die Winterzeit im Allgemeinen sei für ihn Entspannung pur. Er glaube, ja er spüre sogar, wie die Hektik nachlasse und die Leute viel friedlicher und weniger aggressiv miteinander umgingen.
Eine Woche später, mein Mann und ich machten bei unserem Kurzurlaub einen Halt auf dem Reschenpass, kam mir das Gespräch mit dem jungen Mann in den Sinn. Die Stimmung die uns dort oben umgab war einmalig. Die ganze Landschaft schneebedeckt, der Reschensee, indem das versunkene Dörflein liegt, mit einer feinen Eisschicht überzogen und der Kirchturm der aus dem Wasser ragt, war mit einer Schneemütze geschmückt. Das Ganze wurde durch die Sonne am stahlblauen Himmel mit ihren goldenen Strahlen warm übermalen. Der Blick auf die hohen Berge, man sah bis in die Dolomiten, einfach wunderschön. Die Menschen die mit ihren Kameras diese Idylle fotografierten, verhielten sich ruhig, still und sprachen viel leiser miteinander.
Ich denke, der junge Mann hat Recht mit seiner Aussage. Vielleicht braucht der Mensch eine stillere Zeit, eine Zeit zum Nachdenken, eine Zeit sich zu besinnen was wichtig ist – und vielleicht, vielleicht kommt irgendwann die Zeit, wo es möglich sein wird, wenigstens in unserem Umfeld friedlich miteinander umzugehen.

Dezember 2013 | Schaufenster

erzählt von Th.S.

blog_schaufensterSchaufenster – ein Spiegelbild unserer Gesellschaft?

Als ich neulich durch den Berner Bahnhof schlenderte und mir die Wartezeit mit Schaufenster betrachten verkürzte, fiel mir auf, dass alle gleich oder ähnlich gestaltet sind. Schmuck, Kleider, Uhren in Reih und Glied, nach Preisen und natürlich nach jeweiligen Marken geordnet, denn Marken (oder heute Labels) sind wichtig und werden in den Vordergrund gerückt. Alles sehr professionell, sehr modern aber auch sehr langweilig.

Wenn ich da an meine Kindheit und Jugendzeit denke, da war ein Schaufensterbummel ein tolles Erlebnis. Zum Beispiel in der Weihnachtszeit, da gab es Märchenfiguren, Knusperhäuschen, Winterlandschaften zu bestaunen. Die Waren wurden so präsentiert, dass man unbedingt die Farbstifte haben wollte, die auch Schneewittchen oder Dornröschen benutzten. Liebevoll wurde alles arrangiert, sodass es wohl zum Konsumieren verführte, man aber gleichzeitig etwas zum Bewundern oder zum Träumen hatte, auch wenn diese Träume und Wünsche selten in Erfüllung gingen. Auch später als erwachsene Person, war es ein Vergnügen vor Festtagen einen Schaufensterbummel zu unternehmen und sich an den schönen zum Teil sogar stilvollen Auslagen zu erfreuen. Heute kenne ich niemanden der noch „schaufensterle“ geht, sie werden vielleicht so wie ich, achtlos vorüber eilen, weil es leider nicht mehr viel zu Staunen oder zu Träumen gibt.

September 2013 | Der Apfelbaum

erzählt von Th.S.

Vor einigen Jahren besuchte ich ein älteres Ehepaar. Im Verlauf unseres sehr anregenden blog_apfelbaum1Gesprächs, fragte ich die beiden, was das Geheimnis ihrer langjährigen Beziehung sei. Der Mann schaute seine Frau an, die nickte leicht mit dem Kopf, und er sagte zu mir:
„Ich erzähle dir jetzt eine kleine Geschichte: In unserem Garten steht ein alter Apfelbaum. Schon als wir heirateten stand er dort. Zu der Zeit gerade in voller Blüte.

Später, im Herbst, trug der Baum so viele Äpfel, dass beinahe die Äste brachen unter dieser grossen Last, und wir konnten ernten, dass es eine Freude war. Im Frühjahr darauf aber, blog_apfelbaum2warteten wir vergebens auf Blüten. Der Herbst brachte keine Früchte. Es stellte sich heraus, dass der Baum nur jedes zweite Jahr blüht und wir ernten können.

Und so ist es auch mit unserer Ehe. Da sind Zeiten ohne Blüten und ohne Früchte, wie beim alten Baum. Aber wir beide wissen, dass unser Apfelbaum wieder Früchte tragen wird und wir sie wieder ernten dürfen.“
Die zwei sahen einander an……

Mir war, als spiegelte sich in ihren Augen der alte Apfelbaum mit seinen Blüten und Früchten.

August 2013 | Der Durchschnittsmensch

erzählt von Th.S.

blog_durchschnittsmenschZwei Freundinnen unterhielten sich über den Sinn des Lebens. Die Eine fand, sie sei ein reiner Durchschnittsmensch und hätte der Welt gar nichts zu geben, da sie mit keinen besonderen Gaben ausgestattet sei.
„Hast du schon einmal ein Puzzle gelegt?“ fragte die Andere. „Ja, natürlich,“ gab diese zur Antwort, „eines mit tausend Teilen, aber es wurde leider nicht fertig, es fehlte ein blaues Stück, ein Teil vom Himmel und das sah gar nicht gut aus.“ „Nun stelle dir einmal vor,“ erwiderte die Freundin, „die Welt, mit allem Leben das aus ihr hervorgeht, wäre ein grosses Puzzle und jeder Mensch an seinem Platz würde dazu beitragen, dass sich das Ganze zu einem Bild zusammenfügt. Dann würde der Welt, wenn es dich nicht gäbe, an einer Stelle etwas fehlen. Vielleicht ein Stück vom Himmel?“

Juli 2013 | Asche

erzählt von Th.S.

blog_ascheVor einiger Zeit bekam ich einen Kalender geschenkt, einen Geschichtenkalender. Eine diese Geschichten hat mich sehr beeindruckt. Vielleicht deshalb, weil mein Vater genauso vorgegangen ist, wie es in der Geschichte erzählt wird und ich ihm dabei helfen durfte.
Ein Enkel half seinem Grossvater gerne im Garten. Wenn die weisse Schneedecke geschmolzen war und junge Gräser und Pflanzen wieder wachsen konnten, dann suchten die beiden geschnittene oder herabfallende Äste und Laub zusammen und verbrannten das Gesammelte – es war damals noch erlaubt. Zurück blieb ein Häufchen Asche. Wenn nun der Grossvater etwas pflanzte, streute er zum Samen oder zu den jungen Pflanzen etwas von der Asche. „Die Asche ist ein guter Dünger“, erklärte er seinem Enkel, da drin ist etwas aus dem Leben des Gartens und wichtige Stoffe daraus werden neu verarbeitet. Asche ist nicht nur Gestorbenes, darin ist Leben, das neu aufblühen und Früchte bringen kann.
Ein schöner Gedanke, ob das mein Vater auch so erkannt hat?

Mai 2013 | Zum nachdenken

erzählt von Th.S.

blog_nachtigalEine Familie fühlte sich von Ihrer Nachbarschaft ausgeschlossen, gehänselt und kritisiert. Das Ehepaar überlegte sich, was sie gegen all die „bösen Zungen“ unternehmen könnten, ohne mit ihnen in Streit zu geraten. Und sie fanden eine Lösung.
Der Mann erzählte all seinen Nachbarn eine Geschichte: Eines Tages, so erzählte der Mann, wurde die Nachtigall krank und sang nicht mehr. Da sagten die Spatzen: „Sie ist nicht krank, sondern zu faul!“ Das verletzte die Nachtigall so sehr und sie begann wieder zu singen. „Hatten wir nicht recht?“ sagten die Spatzen. Aber die Nachtigall vergeudete ihre letzten Kräfte und sie starb. Da sagten die Spatzen: „Warum singt sie denn, wenn sie doch krank ist?“
Und siehe da, die Geschichte war angekommen, die Familie wurde von nun an respektiert und in die nachbarliche Gemeinschaft aufgenommen.

April 2013 | Den Augenblick leben

erzählt von Th.S.

blog_augenblickEine alte Geschichte, die ich irgendwo gelesen habe, zeigt genau das auf, was uns immer wieder bewusst sein sollte:
Eine Frau bekam von einem grossen Geist die Erlaubnis, einmal durch ein Ährenfeld zu gehen und sich eine Ähre auszusuchen. Diese Ähre sollte ihr Glück und Reichtum bringen.
Die Frau ging in das Ährenfeld hinein, sie ging ganz langsam, sie suchte nach der schönsten und grössten Ähre. Jedes Mal wenn sie glaubte, diese gefunden zu haben, zögerte sie weil sie hoffte, noch eine schönere zu finden. Sie ging weiter und weiter, konnte sich aber für keine entschliessen.
Schliesslich wurden die Halme weniger, die Ähren dünner und plötzlich stand sie am Ende des Feldes ohne eine Ähre gepflückt zu haben.
Darum lebe den Augenblick!

August 2012 | Gastfreundschaft

erzählt von Th.S.

blog_gastfreundschaftZufälligerweise zappte ich letzthin auf einen Fernsehsender, auf dem in einer Gesprächsrunde das Thema Gastfreundschaft in der Schweiz diskutiert wurde.
Die Meinungen gingen, wie bei jeder Diskussion, meilenweit auseinander. Die Schweizer wurden als wortkarg, herb, schwerfällig und bedächtig bezeichnet, deshalb halte sich des Schweizers Gastfreundschaft in Grenzen. Das sei auch gut so, meinte die eine Seite der Runde, ein gewisses Misstrauen gegenüber Fremden habe noch nie geschadet. Der andere Teil glaubte zu wissen, dass durch Offenheit, Freundlichkeit, Spontanität und Menschlichkeit Brücken gebaut würden und dadurch ein grösseres Verständnis allem Fremden gegenüber entstehe.
Ich muss zugeben, dass auch ich dieser Meinung bin und dies kürzlich sogar erfahren durfte. In unseren Ferien in Frankreich besuchten wir ein kleines Privatmuseum. Der Museumsbesitzer führte uns persönlich durch sein kleines Reich. Er fesselte uns mit seinen interessanten Geschichten. Das führte dazu, dass wir uns nach der Führung weiter unterhielten und der Mann uns ganz spontan zu einem Barbecue, das er für den nächsten Tag geplant hatte, einlud. Gerne nahmen wir die Einladung an und so kam es, dass wir als Fremde in einer grossen Gruppe von Franzosen einen wunderschönen, ungezwungenen, informativen Nachmittag erlebten.
Ich frage mich, ob das bei uns in der Schweiz auch passiert wäre, wenn wir irgendwo ein kleines Museum oder sonst Irgendetwas besucht hätten. Ich denke, punkto Gastfreundschaft könnten wir alle noch ein wenig dazu lernen.

Februar 2012 | Bescheidenheit

erzählt von Th.S.

blog_veilchen1In einem Garten blühte im Monat März schon das erste Veilchen.
Eine Biene, die auch den nahen Frühling spürte, flog zu dem Veilchen, um es zu begrüssen. Menschen, die an diesen Frühlingsboten vorübergingen, blieben stehen und freuten sich.
Ein Rosenstrauch, welcher auch im Garten wuchs, ärgerte sich darüber und sagte: „du bist ja so winzig klein und unscheinbar und musst tief im Gras blühen, ich dagegen bin eine Königin wenn ich blühe. Ich verschönere alle Sträusse, Kränze und Gestecke mit meiner Schönheit und mache alle Menschen glücklich“. Da erwiderte das Veilchen: „Ja, das stimmt, du bist schön und erfreust viele, aber dafür steche ich niemanden und bin zufrieden, wenn mich die Menschen ihr gutes Veilchen nennen. Auch wenn ich klein bin, so bin ich doch eine von euch und du solltest nicht so hochmütig mit mir reden.“

Denk von den Kleinen nicht gering, Selbstlob ist ein eitel Ding. (Sprichwort)

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Tfusspurraum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

Von: Margaret Fishback Powers
Copyright ©1964 Margaret Fishback Powers
Übersetzt von Eva-Maria Busch
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen.
www.brunnen-verlag.de

Dezember 2011 | Der Traum vom Fliegen

Ein altes Gedicht, Verfasser unbekannt

blog_fliegenerzählt von Th.S.

Heute Nacht konnt ich wirklich fliegen
niemals hätt‘ ich das gedacht
dass es so viel Freude macht
und so viel Vergnügen.

Ja, mein Jubel, der war gross
Flügel hatt ich keine
trotzdem ging es ganz famos
nur zu strampeln braucht ich bloss mit dem rechten Beine.

Und so flog ich übers Meer bis zu den Chinesen
komme dann vom Nordpol her
und am Kap von Finistère
bin ich auch gewesen.

In Asien und Afrika
sah Türken und Franzosen
drei Mal flog ich mit hurra
über den Himalaya ohne anzustossen.

Alle die mich fliegen sahen
staunten ohne Ende
und der Schah von Teheran
klatschte in die Hände.

Ja die Welt ist wunderschön und es macht Vergnügen
sich so alles anzusehn
heute Abend um halb zehn
geh ich wieder fliegen.

Oktober 2011 | Golf für Angeber

erzählt von Th.S.

blog_golfVor einigen Jahren bewirteten wir auf der Ankerstube der ASM eine Gruppe Golfer. Die Herren fachsimpelten sehr intensiv über ihr Hobby. Einige rühmten sich selbst in den höchsten Tönen, jeder nahm für sich in Anspruch, der Beste zu sein. Dieses ganze Getue entlockte mir hin und wieder ein kleines Schmunzeln. Mir kam nämlich eine Geschichte in den Sinn, die ich mal irgendwo gelesen habe. Bei dieser Geschichte gings auch ums Golfen:
Ein Mann der zu spät auf dem Golfplatz erschien, musste sich deshalb mit einem weniger guten, ja sogar schlechten Caddie begnügen. Die guten waren alle schon zugeteilt. Der Caddie war klein, schwach, hatte keine Kenntnisse vom Golfplatz und sprach nur d r e i W o r t e deutsch. Doch dank dieser drei Worte durfte der Caddie den Golfer durch die ganze Saison begleiten. Denn nach jedem Schlag des Golfers, ganz egal wie der ausfiel, jubelte der Bursche voller Begeisterung auf und schrie: f a n t a s t i s c h g u t e r S c h l a g!

September 2011 | Geburtstag

erzählt von Th.S.

blog_geburtstagWas für einen Stellenwert hat der Geburtstag? Ein Kindergeburtstag bedeutet bunte Ballone, Süssigkeiten, Geschenke, Kinderlachen und Vieles mehr. Für ein Kind gibt es nichts Schöneres als das Geburtstagsfest. Ein Mal im Jahr bei den Kamerädli im Mittelpunkt zu stehen ist ein tolles Gefühl.
Jugendliche freuen sich darauf, mit jedem Geburtstag der langersehnten Volljährigkeit ein Stück näher zu kommen. Diese Freude wird mit Partys gefeiert, je lauter desto besser.
Nach dem zwanzigsten Lebensjahr hört man schon einen kleinen Seufzer wenn der Geburtstag näher rückt.
Mit dreissig wird bei vielen Menschen aus dem kleinen Seufzer ein richtiggehender Stoss-Steufzer „wie die Zeit vergeht“.
Ab dem vierzigsten Altersjahr möchte mancher die Geburtstagstorte mit den zwei goldenen viesen Zahlen in eine Ecke schmeissen.
Natürlich sind die meisten Menschen froh und glücklich, wenn sie mit ihren Lieben oder auch ganz allein für sich ihren Geburtstag feiern können. Wenn nur der Zahn der Zeit nicht so heftig nagen würde. Alle möchten nämlich lange leben, aber ganz bestimmt nicht alt werden.
Als ich mich neulich mit meiner Mutter über ihren bevorstehenden hundertsten Geburtstag unterhielt und ich sie fragte was sie sich wünsche und was sie fühle, antwortete sie mir mit einem verschmitzten Lächeln: „ja weisst Du, ich werde ganz einfach, so Gott will, ein Jahr älter“.

Juni 2011 | Nimm dir Zeit

erzählt von Th.S.

blog_nimmdirzeitEs gibt ein Gedicht in dem erzählt wird, für was alles der Mensch sich Zeit nehmen sollte um ein glückliches, frohes, gesundes und ausgeglichenes Leben zu führen. Man sollte sich die Zeit nehmen für Freunde, Zeit zum Ruhen, zum Lesen, Zeit die Natur zu geniessen oder Zeit, sich einfach nur hinzusetzen und nicht tun. Das alles hört sich wunderbar an, doch unsere moderne vielfältige hektische Lebensweise lässt dies nicht zu – glauben wir. Denn unser Alltag ist ausgelastet mit E-Mails, SMS, Telefonaten etc… Wir hetzen und eilen, sind ständig daran, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Wenn es dann tatsächlich ab und zu etwas ruhiger wird, sind wir beunruhigt, haben das Gefühl nicht ajour zu sein, nicht gebraucht zu werden und kommen gar nicht auf die Idee, dass es das eine oder andere Mal sehr gut ohne uns geht. Deshalb sollten wir den Versuch wagen und uns bewusst die Zeit nehmen die wir brauchen um unser Dasein gesund, glücklich und zufrieden gestalten zu können, trotz aller Arbeit, aller Hektik und allem Stress.

Mai 2011 | Zuhören

erzählt von Th.S.

blog_zuhoerenZuhören, denke ich, hat etwas mit Begabung und mit dem Charakter zu tun. Der geduldige Mensch hört höflich zu, auch wenn ihn das Gesagte nicht allzu sehr interessiert. Der Ungeduldige nimmt die erstbeste Gelegenheit wahr, und wechselt das Thema.

Der Fürsorgliche und der Interessierte beschäftigt sich mit dem Gehörten.
Dann gibt es noch welche, die überhaupt nicht zuhören – z.B.:

„Hast du dich verändert Hans, du warst doch viel grösser“
„aber“…
„du warst auch stattlicher jetzt erscheinst du mir so klein und schmal“
„aber“…
„früher warst du so blass, jetzt bist du richtig braungebrannt, was ist nur mit dir los Hans?“
„Aber ich heisse doch nicht Hans, ich heisse Kurt“.
„Was, deinen Namen hast du auch geändert“?

Wie kann man solch einen Menschen zum Zuhören bewegen?

April 2011 | Das Lachen

erzählt von Th.S.

blog_lachenDer verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.
Das war der Spruch, der aus dem Programm des letzten Seniorennachmittags im Katholischen Zentrum entstand. Er passte gut, denn der Nachmittag war vergnüglich, es wurde viel gelacht.
Aber stimmt dieser Spruch wirklich immer? Solange man mit Lachen das fröhliche, herzliche, freundliche, liebe Lachen meint, sicher ja.
Doch jetzt kommt wieder ein aber, es gibt nämlich auch das hämische, spöttische, verletzende, arrogante und dumme Lachen – was dann?
So könnte ich den Faden immer weiter spinnen, meine Gedanken weiter kreisen lassen, es würde wohl immer ein Aber geben.
Deshalb kam ich letztendlich zum Schluss, wenn wir in gewissen Situationen die Fähigkeit und Grösse besitzen über uns selbst zu lachen, wird dieser Tag, an dem das geschieht, ganz bestimmt kein verlorener Tag sein.

März 2011 | Das „gmw“-Prinzip

erzählt von Th.S.

Gebrauchsanweisungen haben ihre Tücken.blog_gmw
Eine Kollegin erzählte mir, sie habe sich ein Gerät gekauft und versuche nun schon seit Tagen, anhand der Gebrauchsanweisung das Ding zum Laufen zu bringen. Aber alles lesen, studieren und probieren sei vergebens. Sie sei kurz davor aufzugeben, denn die Angaben und Zeichnungen in der Gebrauchsanweisung werde sie nie verstehen, das sei für sie wie ein Buch mit sieben Siegeln.
Ein oder zwei Tage später ruft mich die Kollegin an und erzählt mir freudestrahlend, dass sie ihr Gerät nun doch zum Laufen gebracht habe. „Wieso das jetzt?“ frage ich erstaunt. „Ich habe die verflixte Gebrauchsanweisung fortgeschmissen und meinen Verstand eingesetzt“ gibt sie mir zur Antwort.
Ja, das leuchtet mir ein, den gesunden Menschenverstand (gmv) bei heiklen Situationen einschalten würde sicher öfter zum Erfolg führen und zwar nicht nur bei einem verflixten heiklen Gerät.

Herbstgedanken | Nur ein Blatt

Klein
leicht und zart
spriesst du aus dem Zweig
der dich ernährt und hält

Du grünst in buntem Grün
und gibst Blume
Baum und Strauch
einzigartig Form und Farbe

In deinen Adern
fliesst das Wasser
des Himmels und der Erde

Dein leises Rauschen wächst
im Zusammenspiel mit dem Wind
zur tosenden Sinfonie

Die Luft wird rein
wir atmen durch
frei und tief und unbeschwert

Du spendest Freund und Feind
Kühle in der Glut
bist Schutz und Schirm
bei Regen

Und wenn du
am Abend des Jahres
bunt und brüchig
zur Erde fällst
umsäumt dein
Wunderfarbenkleid
als bunter Teppich
den weiten Fuss des Stammes

So wirst du
auf deinem letzen Weg
zum goldenen Schmuck
der Erde

aus: Urs Lüthi / David Plüss: Farben unserer Erde, Brunnen Verlag